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Deep Talk, Part 1: Leidensgeflüster

 

Wollen wir ein wenig Smalltalk machen?

 

Hi! Ich bin Jamila und ich hasse Smalltalk.

Wenn du Allgemeines über mich erfahren möchtest kannst du das hier.

 

Heute zeige ich dir einen Einblick, wie ich wirklich bin und ich hoffe, dass du dadurch den Mut bekommst dich auch öfter mal zu zeigen wie du wirklich bist. 

 

 

Wie wäre es, wenn wir einfach mal unsere Fassade, unseren Schutz, unsere Rolle ablegen? Nur für einen Augenblick.

 

Wir können nur gewinnen.

 

Ich wirke nach außen sehr stark. Aber in Wahrheit bin ich ein zartes, zerbrechliches Wesen.

 

Mein Umfeld spricht oft Bewunderung für mich aus. Ich verstehe das nicht.

 

Ja ich bin alleinerziehend und trotzdem erfolgreich im Beruf. Na und? Ich könnte noch so viel mehr erreichen. Ich könnte Alles sein. Aber die Grenzen und Ängste, die mir mein Verstand auferlegt, halten mich davon ab.

 

Ich bin nie genug.

 

Ich setze mir ein Ziel, erreiche es und es bedeutet mir nichts. Vielleicht für eine Minute.

 

Schon taucht das nächste Ziel auf, welches ich erreichen muss. Mein Kopf so voller Ideen, dass ich nicht weiß wo ich anfangen soll.

 

Es ist nie genug.

 

Ein unaufhörlicher Drang nach Perfektion. 

 

Ich kann noch mehr verdienen, mehr erreichen, noch mehr leisten. Ich kann noch mitfühlender sein, ich kann noch mehr lieben. Ich kann eine noch bessere Mutter sein. Ich kann noch mehr geben, noch mehr helfen.

 

Wenn ich nicht alles spende, was ich nicht brauche, bin ich dann nicht ein schlechter Mensch? Natürlich sagst du nein zu mir, weil du sonst auch ein schlechter Mensch wärst, nicht wahr?

 

Ein unaufhörlicher Drang nach noch MEHR. Mehr Sein.

 

Und da ist das Bewusstsein darüber. Ich weiß.

 

Ich weiß das alles.

 

Jeden Tag arbeite ich hart daran, nicht mehr so hart zu mir zu sein.

 

Was für eine Ironie. 

 

Apropos Ironie.

 

Ich liebe sie. Ich liebe es die Menschen damit vor den Kopf zu stoßen. Sie mit ihrer eigenen Blödheit zu konfrontieren.

 

Manchmal ist sie so zart so sanft, dass mein Gegenüber nicht weiß, ob es Ironie ist.

 

Perfekt.

 

So ist es noch lustiger. Die Verwirrung in ihren Gesichtern. Ich belustige mich innerlich. 

 

Ich liebe es mich dumm zu stellen. Ich stelle dumme Fragen. Ich gebe dumme Antworten. Zum einen schütze ich mich dadurch.

 

Wenn ich das dumme Mädchen bin, kann man mich nicht so gut verletzen, weil man meine verletzlichen Stellen gar nicht erkennt, denn man hält mich für jemand, der ich nicht bin.

 

Zum Anderen differenziere ich damit die Menschen. Wer erkennt, dass ich das absichtlich mache? Wer hält mich für dumm und wer durchschaut das?

 

Wer das durchschaut, dem vertraue ich.

 

Wer mich für dumm hält, über den mache ich mich innerlich lustig.

 

Wie dumm kann man sein, mich für dumm zu halten?

 

Oh und da ist sie ja - die Überheblichkeit. Wenn ich mich selber für klüger als andere halte, und das tue ich immer noch ab und an, dann werte ich mich damit automatisch selber ab.

 

In dem Moment wo ich mich für was Besseres halte, erreiche ich damit das Gegenteil. Und trotzdem kommt es vor. Aber gut, dass ich das erkannt habe. Höhö.

 

Im Erkennen bin ich der Meister. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich es deswegen auch anwenden kann. Umsetzung ist so eine Sache.

 

Ich weiß, dass ich Alkohol missbrauche um abzuschalten. Meine Gedanken zum Schweigen zu zwingen. Meine innere Unruhe zu besänftigen.

 

Ich weiß, dass das falsch ist.

 

Und trotzdem tue ich es ab und an, weil ich nicht immer stark genug bin diese Zustände auszuhalten.

 

Und ich will es auch nicht immer. Was, wenn ich es einfach nicht immer aushalten will? Wenn ich es nicht immer durchleben will? Was, wenn ich mich nicht immer dem stellen will? 

 

Schade nur, dass ich mich am nächsten Tag dafür verurteile, obwohl ich mich doch bewusst dafür entschieden habe, nicht stark genug sein zu wollen.

 

Tja, schade. 

 

Weiß ich, dass das vollkommen bescheuert ist?

 

Ja.

 

Mache ich es trotzdem ?

 

Ja. 

 

Aber ich bin nicht immer bescheuert. Ich kann auch fürchterlich willensstark sein. Das betrifft ganz besonders die "äußeren Umstände".

 

Ich werde immer finanziell gut gestellt sein, weil ich ich immer einen Weg finde Geld zu machen. Ich bin produktiv, motiviert, fürchterlich ehrgeizig, fast verbissen, wenn ich etwas will. Ich interessiere mich für alles Mögliche.

 

Mich macht es wahnsinnig, wenn Andere nicht so ehrgeizig sind.

 

Ich bin fürchterlich ungeduldig. Mit mir, aber auch mit Anderen.

 

Du könntest doch viel mehr aus deinem Leben machen! Einen Job finden, der dich glücklicher macht! Du kannst alles sein, was du willst - alles machen was du willst.

 

Alles. Ich weiß es! 

 

Ich liebe es andere zu inspirieren, sie mitzureißen. Alles was ich lerne, will ich weitergeben. Ich will unbedingt, dass jeder die beste Version seiner Selbst ist. Und wenn ich diesen Ehrgeiz in anderen nicht sehe, macht mich das traurig.

 

Ich bin oft traurig. Traurig über das Leben. Traurig über die Welt. Traurig über mich. Ich weine viel.

 

Manchmal ergötze ich mich an meiner Trauer. Ich schwelge und wälze mich darin. Bis ich mit der Trauer eins bin. Ein riesiger Trauerkloß. Herrlich.

 

Worüber war ich nochmal traurig? Ach ja über die Welt! Wieso erkennen Andere nicht, was ich erkenne? Wieso gibt es noch einen einzigen Menschen auf dieser Welt, der nicht vegan lebt?

 

Ach ja, es leben ja fast 99% der Menschen nicht vegan. Fast vergessen. Verstehe ich nicht. Will ich nicht verstehen.

 

Wieso gibt es Rassismus, Sexismus, Homophobie und Speziesismus? 

 

Verstehe ich nicht. Die Blindheit der Menschen macht mich unendlich traurig. Nicht wütend. Nur traurig.

 

Der Schmerz ist so groß, so unendlich groß. Der Schmerz über die Welt sitzt so unendlich tief. Er ist in mir verankert.

 

Nein, ich bin der Schmerz.

 

Nie, niemals wird er gehen. Solange es Schmerz gibt, bin ich der Schmerz. Ein Teil von mir, den ich niemals ablegen kann. Das muss ich akzeptieren.

 

Und doch weiß ich, dass niemand, niemand auf der Welt, was dafür kann. 

 

Letztendlich ist es nicht der Schmerz, der so schmerzhaft ist, sondern das Nicht-Akzeptieren-Können des Schmerzes, als Teil meiner Essenz. 

 

Hier kommst du direkt zu Deep Talk, Part 2: Liebesgeflüster

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Kommentare: 2
  • #1

    Jörg (Sonntag, 18 November 2018 23:04)

    Ja, da kann ich vieles nachvollziehen �. Das einzige was ich noch nicht verstehe kann, ist voll vegan zu leben. Aber vielleicht wurden mir noch nie die Vorzüge gezeigt �

  • #2

    Seelensellerie (Montag, 19 November 2018 10:28)

    Hi Jörg! Bezüglich des Veganismus möchte ich dich gerne einladen dir einmal diesen Text von mir durchzulesen: https://www.seelensellerie.de/gruende-vegan-zu-leben/
    Vielleicht bekommst du dadurch eine bessere Vorstellung, wieso es so essentiell ist heutzutage vegan zu leben. Liebste Grüße