· 

Monogamie aus spiritueller Sicht

monogam_leben

Ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen: 

 

Es war einmal ein Mann und eine Frau. Sie sind beide 53 Jahre alt und lernten sich mit 14 kennen. Seit sie 14 waren, waren sie ein Paar. Sie heirateten mit 20 und bekamen 2 Kinder. 

 

Sie hatten niemals einen anderen Sexualpartner. Sie kannten sowohl Sex, als auch die romantische Liebe, nur voneinander.

 

Als der Mann 40 wurde, verfestigten sich in ihm Gedanken, dass es doch nicht sein könne, dass er sein ganzes Leben nur mit einer einzigen Frau geschlafen hatte. 

 

Da die Liebe und das Vertrauen zwischen ihm und seiner Frau so groß war, betrog er sie nicht. Stattdessen sprach er mit ihr über seinen Wunsch mit einer anderen Frau zu schlafen. Es tat ihr weh, aber sie sagte ihm, sie würde sich darüber Gedanken machen.

 

Nach einiger Zeit der Überlegung erklärte sie ihm, dass es für sie nicht in Ordnung wäre, wenn er mit einer anderen Frau schlafen würde. Aber sie hatte sich Gedanken über seinen Wunsch gemacht und schlug ihm vor, ihre gemeinsame Sexualität zu erweitern, sie auf eine neue Ebene zu bringen.

 

Nun im Alter von 53 Jahren sind die Beiden an dem Höhepunkt ihrer Sexualität angekommen. Sie haben einen eigenen Raum für kamasutrische Praktiken. Ein einziger Akt der Liebe dauert bei ihnen 4 Stunden. In der ersten Stunde berühren sie einander nicht einmal. 

 

Die beiden erleben eine Sexualität die 99% der Menschen niemals in ihrem Leben auch nur annähernd erreichen werden. So intim, so reizvoll, so aufregend - mehr als befriedigend.

 

Heute sagt der Mann über seine Frau:

 

"Sie ist jetzt 53 Jahre alt. Nie zuvor war sie für mich anziehender. Nie zuvor hatte sie eine derartige erotische Anziehungskraft auf mich wie jetzt. Über meinen Wunsch mit einer anderen Frau zu schlafen, als ich 40 Jahre alt war, kann ich heute nur noch lachen. Stell dir vor du fährst das beste, teuerste und hochwertigste Auto der Welt. Vielleicht einen Ferrari. Wenn du einen Ferrari fährst, hast du doch auch nicht auf einmal den Wunsch einen alten Opel Astra zu fahren, oder? Meine Frau ist der Ferrari. Jede andere Frau wäre für mich nur ein altes Fahrgeschoss - ohne Extras."

monogam-offene-beziehung

 

Diese Geschichte ist keine Geschichte. Ich habe vor ein paar Jahren eine Reportage über verschiedene Lebensweisen von Partnerschaften gesehen. Dieses Ehepaar wurde unter der monogamen Lebensweise vorgestellt. 

 

Es gibt viele Arten von Partnerschaft und ihrer Sexualität. Jeder Mensch darf leben, wie er will. Und für viele unterschiedliche Menschen funktionieren viele unterschiedliche Arten von Sexualität.

 

Über Jahre empfand ich meinen Wunsch, in unserer heutigen Gesellschaft, nach einer monogamen Beziehung, fast schon als konservativ, altmodisch und vielleicht sogar als unrealistisch. Manchmal war ich sogar wütend. Warum kann ich nicht so locker und cool sein? Man kann sich doch lieben und trotzdem mit anderen schlafen, man kann sogar mehrere Menschen gleichzeitig lieben. Aber allein die Vorstellung davon tat mir weh. 

 

Meine Sehnsüchte gingen sogar noch viel weiter. So wollte ich nicht nur in einer monogamen Beziehung leben, ich wollte dass mein Partner gar nicht den Wunsch nach anderen Sexualpartnerinnen hegte. 

 

Wäre es nicht eine Lüge, wenn mein Partner nur mir zu Liebe nicht mit anderen schliefe, aber in Wirklichkeit das Verlangen danach hegte? 

 

Wenn wir in der Realität treu sind, aber in unseren Gedanken fremd gehen, ist dass dann nicht eine Lüge? Sind wir uns dann nicht selber untreu? Verleugnen wir dann nicht unsere Wünsche und unsere Begierden? 

 

War es das, was Jesus meinte, als man ihn fragte, wann der Ehebruch beginnt und er antwortete:  „Schon wenn du nur an ein anderes Weib, an einen anderen Mann, denkst, hast du die Ehe gebrochen!“?

 

Ich sage JA, zu allen diesen Fragen!

 

monogamie-aus-spiritueller-sicht

Ich hatte in keiner meiner Beziehungen jemals den Wunsch mit einem anderen Mann zu schlafen. Ist es dann nicht mein Recht, den Wunsch zu hegen mit einem Mann zusammen zu sein, der ebenfalls nicht das Verlangen danach hat?

 

Immer wieder wurde mir vermittelt, dass dies vollkommen unrealistisch - ja sogar absurd sei. Von Freunden, von meinen Partnern, von den Medien und letzten Endes auch von mir selbst.

 

Irgendwann kam ich an den Punkt, wo ich mich selber verriet, meiner inneren Stimme nicht mehr vertraute. Meiner Sehnsucht nach einer einzigartig wahren, exklusiven Beziehung - sowohl auf emotionaler, sowie auf sexueller Ebene - misstraute. Sie sogar kurzweilig aufgab. Ab diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr in der Lage mich zu verlieben. 

 

Aber weißt du was?

 

Heute weiß ich: Es ist ok. Es ist verdammt noch mal ok, dass ich so empfinde und es ist verdammt nochmal ok, wenn du auch so empfindest. 

 

Es ist ok, wenn wir uns einen Ferrari wünschen. Er ist selten und er ist wertvoll. Und eines ist ganz klar: Falls wir dauerhaft einen Ferrari erhalten wollen, ohne zwischendurch auf einen Opel Astra wechseln zu müssen, dann müssen wir den Ferrari verdammt gut pflegen. Wir müssen viel dafür tun, um den Ferrari erhalten zu können. Aber am Ende wird es sich lohnen. 

 

monogamie-liebe
Das Wichtigste ist, dass du dir immer selber treu bleibst! Was für eine Art von Beziehung willst DU führen?

Ich mache keine halben Sachen in meinem Leben. Ich möchte das beste, geilste und wunderbarste Leben. Warum dann halbe Sachen in der Partnerschaft machen? 

 

Ich habe es satt mir anhören zu müssen, dass ich kindisch bin. Dass ich einer "Walt Disney Generation" entsprungen bin. Dass es nicht in den Genen der Menschen liegt, monogam zu leben.

 

Aus biologischer Sicht ist das absolut korrekt. Schon lange weiß man, dass der Mensch, um die genetische Vielfalt zu erhalten, seine Sexualpartner über kurz oder lang wechselt.

 

Aber wir Menschen sind so viel mehr als unsere Biologie!

 

Du kannst den Menschen nicht nur aus medizinischer, aus biologischer, aus soziologischer und auch nicht nur aus psychologischer Sicht betrachten. Dies gibt uns nur winzige Einblicke - aus einer einzigen Perspektive. 

 

Wir sind so viel mehr und deswegen wird es Zeit uns ganzheitlicher zu betrachten. 

 

spirituelle-monogamie

Konstrukte wie die Ehe setzen Menschen unter Druck. Vielleicht ist es eigentlich ihr Wunsch monogam zu leben - aber die vielen Grenzen, die uns die Gesellschaft auferlegt, regen uns dazu an auszubrechen, frei zu sein. 

Solange du dich dem gesellschaftlichen System unterwirfst und nicht wirklich das tust, was deine freie Seele sich wünscht, wirst du dich selbst immer wieder enttäuschen, wenn du es nicht schaffst innerhalb des Systems zu funktionieren.

 

Vielleicht haben dich deine Eltern so erzogen, dass du monogam leben musst. Vielleicht haben sie das Gegenteil vorgelebt. Vielleicht war es wie bei mir und du hattest immer das Gefühl du wärst uncool, wenn du nicht in der Lage wärst offene Beziehungen zu führen. 

 

Wie auch immer es bei dir war, es zählt nur eines: für dich herauszufinden, was DU WILLST. Was dein freier Wille ist und nicht der Wille, der dir anerzogen wurde.

 

Monogamie als heiliger Wunsch deiner Seele

 

"Du kannst und wirst Monogamie solange nicht leben können, bis du sie freiwillig für dich entdeckst. Eines Tages nämlich wird sie dir zum heiligen deiner Seele immanenten Wunsch werden. Irgendwann entdeckst du, dass es nicht die körperliche, die sexuelle Anziehung ist, aufgrund der du dich einem Menschen exklusiv schenken möchtest, sondern eine tiefe seelische. Das ist spirituelle Monogamie. Sie ist immer freiwillig und kommt aus deinem Herzen. Sie entstammt nicht deinem Ego, nicht deinem Verstand, schon gar nicht aber findet sie ihren Ursprung in den Regeln einer Institution. Sie wurzelt alleine in dem Herzenswunsch, sie als Geschenk geben zu dürfen." - David Peterson Pauswek

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Isabella (Sonntag, 06 Januar 2019 13:05)

    Liebe lässt sich nicht vorschreiben. Die kommt und bleibt oder sie geht wieder...alles ist möglich

  • #2

    Matthias (Sonntag, 10 März 2019 17:47)

    Die Frage ist nicht, in welcher Form ich in Beziehung / Beziehungen treten will. Das eigentliche tiefe Problem ist, WARUM überhaupt das Bedürfnis nach Beziehung besteht.

    Wird dieses Problem gelöst - das Problem der Trennung, dessen Ausdruck diese ganze Welt ist - verschwindet die Frage nach dem WIE automatisch.

    "Ein Kurs in Wundern" beschreibt sowohl Problem als auch Lösung detailliert.