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Die Leere in mir

Jamila-von-Perger

Seit der Trennung von dem Vater meines Kindes im August 2017, bin ich nun dabei mein Leben von Grund auf zu ändern. Nein, eigentlich mich selbst von Grund auf zu ändern.

Ich spürte intuitiv den starken Drang mich von allem zurückzuziehen und mich selber kennen zu lernen.

 

Mir war schon länger klar, dass ich mich mein Leben lang in Beziehungen flüchtete. Mein innerer, starker Zwang nach Liebe zu suchen und das unerträglich einsame Gefühl, wenn ich keinen Partner hatte, lies mich immer wieder in Beziehungen stürzen. Mit Männern, die ich weder kannte, noch mit denen ich etwas gemeinsam hatte.

 

Im Grunde genommen nahm ich immer den, der als erstes kam. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Ich war in der Lage mich in fast jeden Mann zu verlieben, den ich auserkoren hatte. Denn Verlieben und Liebe sind ein enorm großer Unterschied.

 

Die starken Gefühle, die man beim Verliebt sein erlebt, entstehen dadurch, dass du all deine Wünsche, Hoffnungen und Träume mit dieser Person identifizierst. Alles, was du nicht hast, versuchst du von dieser Person zu bekommen. Du hast die Hoffnung, dass dir all deine Ängste und Probleme von dieser Person genommen werden.

 

All dies geschieht zum größten Teil unterbewusst. Du stellst dir vor, wie schön deine Zukunft mit dieser Person sein wird und wie glücklich ihr sein werdet. Dein Körper wird von Glückshormonen überschwemmt und du empfindest die Liebe zwischen euch als real. Wenn die Verliebtheitsphase (bis zu 2 Jahren) vorüber geht, trennen sich die meisten, weil sie plötzlich mit der Realität konfrontiert werden.

 

Wenn ihnen klar wird, dass der/die Auserkorene nicht die Person ist, die ihnen das Glück schenken kann, welches sie sich erhofften. Und so geht es zur nächsten Suche und das Spiel beginnt von vorne. So war es bei mir und so ist es bei sehr vielen Menschen. 

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Woher kommt diese Leere in mir?

Meine Flucht hatte viele Formen. Ich trank viel Alkohol, ging viel feiern. Generell machte ich einfach sehr viel in exessiver Form. Rauchen, trinken, feiern, pokern, Freunde treffen, sogar essen.

 

Immer on the run.

 

Nachdem ich nun alleine da saß - mit einem Kind, dass ich von jemandem hatte, den ich zu dem Zeitpunkt, wo ich schwanger wurde, gerade mal ein paar Monate kannte - war ich an einen Punkt angekommen, wo mir klar wurde, dass ich mein Leben so nicht mehr führen wollte. Ganz besonders nicht, wo ich nun die Verantwortung für ein kleines unschuldiges Wesen hatte.

 

Ich entfernte jegliche Ablenkung in meinem Leben - kein Fernseher mehr, keine Serien mehr, keine Party mehr, keine neuen Leute kennen lernen. Und so saß ich jeden Abend, wenn ich meinen Kleinen ins Bett gebracht hatte, da. Stundenlang saß ich einfach nur da. Manchmal machte ich auch kleine Dinge wie puzzeln, dekorieren, malen. Ich sage euch Leute, ich bin beinahe verrückt geworden. 

 

Was geschieht, wenn du ganz alleine bist und dich einfach mit nichts ablenkst?

 

Bei mir kamen eine extreme innere Unruhe auf, Nervosität, Angst. Die ersten paar Wochen schlief ich im Wohnzimmer, das gesamte Haus beleuchtet. Ich hatte panische Angst vor irgendwelchen Wesen. Ich hatte das Gefühl, da ist irgendetwas Bedrohliches in meinem Haus. Ich schlief wenig und hatte riesige Angst und ich wusste nicht wovor.

 

Meine Familie und Freunde rieten mir, mich einfach abzulenken, was zu machen. Ich wusste intuitiv, dass das nicht der richtige Weg ist, denn das hatte ich mein Leben lang getan. Ich hatte viele kleine Rückschläge, ich trank öfter abends Alkohol, weil es mich beruhigte und ich besser schlafen konnte. 

 

Es ist ein Prozess, eine Entwicklung und niemand kann sich von heute auf morgen ändern. Je mehr ich mich mit Spiritualität, Selbstliebe und Meditation beschäftigte, desto besser wurde es. Ich lebte nach einer Weile wieder vollkommen vegan, trieb wieder mehr Sport und meine Angst vor dem Einschlafen verschwand.

 

Die letzten 6 Jahre, konnte ich nur einschlafen, wenn der Fernseher oder eine Serie im Hintergrund lief. Seit 9 Monaten schlafe ich in vollkommener Stille in vollkommener Dunkelheit ein und es dauert nicht 1-2 h sondern 15 min. Ich begann diesen Blog, um meine neu gewonnenen Erkenntnisse festzuhalten, zu verarbeiten und um sie zu teilen.

 

Ich entwickelte zunehmend ein immer stärkeres Mitgefühl und Bewusstsein für meine Mitmenschen und allen Lebewesen gegenüber. Die Liebe zu meinem Kind wurde immer stärker. 

 

Ich kann euch noch hunderte positive Dinge aufzählen, die sich veränderten. Trotz all dieser positiven Veränderungen, blieb mir ein großes Problem.

 

Da ist diese Leere. Diese große bleierne, schwere Leere. 

 

Diese Leere, die ich sonst mit Beziehungen füllte, wurde immer präsenter.

 

Nun saß ich da, mein Leben vollkommen im Griff. Ich hatte all die Menschen, die mir nicht gut getan hatten, aus meinem Leben entfernt. Ich hatte alle Beziehungen, zu den Menschen, die mir wichtig waren, stark intensiviert. Ich war finanziell besser gestellt, als ich es je zuvor in meinem Leben war. Ich hatte mich gesundheitlich in die beste Form meines Lebens gebracht, 10 kg in einem Jahr verloren. Ich war sehr belesen und arbeitete intensiv an mir.

 

Mir war absolut klar, dass ich mein Glück niemals in einem anderen Menschen finden könnte, außer mir selbst. Mir war auch sehr wohl klar, dass ich mein Glück nicht in die Zukunft legen konnte, so wie ich es früher tat. "Wenn ich das und das habe, wenn ich dieses und jenes erreicht habe, dann werde ich glücklich." NEIN!

 

Ich gab immer mehr meiner alten Identifikationen auf und habe sehr viel Bewusstsein in mein Leben gebracht.

 

Doch die Leere blieb.

 

Ich hielt sie lange geheim vor meinen Freunden und vor meiner Familie. Wenn wir schöne Dinge unternahmen sagte ich: "Wow, das war ein wunderschöner Tag." Doch ich fühlte nichts. Ich fühlte mich leer und einsam. Nein - ich fühlte es nicht, sondern es war einfach ein Dauerzustand. Das Grundgefühl meines Lebens. Gefühllos und leer. Nicht den Menschen gegenüber, sondern meinem Leben gegenüber. 

 

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Die letzten 3 Monate wurde es immer schlimmer. Ich fing sogar wieder mit Ablenkungen an, ich stopfte meinen Tag so voll, dass ich einfach keine Zeit hatte die Leere in mir zu spüren. Ich suchte verzweifelt nach einer Lösung, nach einer Antwort. Überall. Im Internet, in Büchern, in Gesprächen mit Freunden und Familie.

 

Es wurde immer schlimmer und mein Zustand verschlechterte sich. Ich hatte das Gefühl so langsam wieder in eine Depression zu schlittern. Ich hangelte mich von Tag zu Tag. 

 

Dennoch war ich mir sehr bewusst, dass ich diesen Zustand akzeptieren musste. Denn je mehr ich mich darüber ärgerte, dass es mir so ging, desto schlimmer wurde es. Der innere Widerstand gegen eine Situation, verstärkt diesen Zustand nur. Dieses Wissen hatte ich aus meinen Büchern und genau so nahm ich es auch wahr.

 

Wenn ich Gedanken hatte wie: "Du hast ALLES. Du hast ein wunderbares Leben, ein wunderbares Kind, eine wunderbare Familie. Gesundheit, Wohlstand, berufliche Unabhängigkeit. WARUM BIST DU NICHT GLÜCKLICH? WEIßT DU WIE ES ANDEREN MENSCHEN AUF DER WELT GEHT?!?!?!"

 

Solche Gedanken intensivieren Leid nur und machen alles schlimmer. Das war mir klar.

 

Der Text dieses Songs, erinnert mich an mein Leben in völliger Unbewusstheit. Manipuliert von unseren eigenen Gefühlen, geben wir Anderen oder dem Leben selbst die Schuld an unserem Leiden. Depressionen, Angst und ein Gefühl der Leere können die Folge sein. 

  

Ich ergab mich der Situation. Ich versuchte dem Leben einfach zu vertrauen, dass es besser werden würde, schließlich tat ich alles dafür.

 

Dann fuhr ich letzte Woche nach Velden an den Wörther See für 5 Tage. Ich musste dort etwas Geschäftliches erledigen und wollte dies mit etwas Urlaub und einem Pokerturnier verbinden. Ich war schon öfters dort und fand es immer grandios.

 

Ich hatte also auch die Hoffnung, dass mich der Trip auf andere Gedanken brachte und es mir dort vielleicht besser gehen würde. 

 

Vielleicht verbrachte ich einfach nur zu viel Zeit zu Hause und musste mal raus?

 

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Gleich am ersten Tag, ging ich mit einem Freund direkt am Wörther See essen. Ein feines Lokal, atemberaubender Blick auf den See, neben uns schwammen die Fische im kristallklaren Wasser. 

 

Ich fühlte mich wie eine alte, trockene Scheibe Toast.

Wie ein ausgekratztes Glas Marmelade.

Wie ein Sack Reis in China, der noch nicht einmal umkippt.

 

Als hätte man mir einen Umhang aus Bedeutungslosigkeit und gähnender Leere gestrickt und ihn mir umgelegt. 

 

Daraufhin folgt dann immer die Traurigkeit über den Zustand und daraufhin der innere Drang etwas dagegen zu tun. 

 

Die nächsten Tage war ich von Unternehmungen, dem Pokerturnier und Alkohol trinken abgelenkt. Ich reiste einen Tag früher ab, weil ich es nicht mehr ertrug und beschloss stattdessen meine beste Freundin in München zu besuchen.

 

Am letzten Abend vor der Abreise, war eine Mondfinsternis in Kombination mit einem strahlenden Mars zu sehen. Ich empfand nicht viel, aber ich schöpfte wieder ein bisschen Hoffnung. Denn dieses Universum beweist immer wieder aufs Neue, was für ein unendliches Wunder sich im Leben verbirgt. Wie sehr ich mich danach sehnte, dieses Wunder zu spüren...

 

Das Leben schenkt uns immer wieder Momente und kleine Wunder, die uns zum aufwachen bringen können. Wir müssen sie nur erkennen. 

 

Manchmal sind sie so offensichtlich wie diese Mondfinsternis in einer kristallklaren Nacht und manchmal sind es winzig kleine, unbedeutend erscheinende Dinge.

 

Ein Wort.
Eine Farbe.
Eine Blüte.
Ein Blick.
Ein Song.
Ein kleiner Augenblick.

 

Sieh hin.

 

Auf dem Weg nach München saß ich im Zug und begann das neueste Buch zu lesen, welches ich mir im Internet bestellt hatte. In dem Buch beschreibt die Autorin, wie sie ihrer größten Angst in einem Meditationszentrum auf die Schliche kam. Sie war für 10 Tage in dem Retreat.

 

4.30 Uhr morgens aufstehen. Meditieren. Reis zum Frühstück. Meditieren. Reis zum Mittag. Meditieren. Reis zum Abendbrot. Meditieren.

 

Ab dem zweiten Tag überkam sie während der Meditation eine zunehmend große Angst, dass alle ihre Liebsten sie vergessen würden. Dass ihr Freund eine neue Frau kennenlernen würde.

 

Ab dem dritten Tag wurde die Angst unerträglich. Abbrechen stand nicht zur Option, sie war zu der Zeit bereits Coach und das Meditationsretreat sollte eine Vorbereitung für das Buch werden, welches ich gerade las!

 

Ihre Angst allein gelassen zu werden, wurde so präsent, dass sie alles versuchte. Sie schrie die Angst an, sie solle verschwinden. Die Angst war völlig unbeeindruckt. Nach einer Weile blieb ihr nichts anderes übrig, als sich zu ergeben und auf ein Wunder zu hoffen.

 

Und dann passierte es: Bilder aus ihrer Vergangenheit prasselten auf sie ein. Sie beschrieb, wie ihre Mutter im Alter von 11 Jahren sie verließ und ihre zuvor perfekte Familie und ihr idyllisches Bilderbuchleben zerbrach. Sie beschrieb ihre Gefühle während der Meditation sehr detailliert.

 

Und ganz plötzlich, nichts ahnend, brach es über mich herein wie ein mächtiges Gewitter an einem lauen Sommerabend. Mir rannten die Tränen wie ein Wasserfall übers Gesicht. Mein gesamter Körper war von Schmerz und Angst durchzogen. Mein Magen zog sich zusammen.

 

In meiner Panik und Überraschung von der Situation, versuchte ich krampfhaft leise zu weinen, sodass ich nicht die gesamte Aufmerksamkeit des Zuges auf mich zog. Intuitiv schloss ich die Augen und atmete ein paar Atemzüge tief ein, wie ich es zu Beginn jeder Meditation tat.

Nach wenigen Atemzügen prasselten die Bilder aus meiner Vergangenheit auch auf mich ein.

 

Plötzlich stand ich im Flur unseres alten Hauses, als ich 7 Jahre alt war. Meine Eltern schrien sich fürchterlich an und ich weinte sehr stark. Ich spürte Angst und Verzweiflung.

Mein Vater rannte die Treppen in den Keller hinunter. Meine Mutter blieb im Flur stehen, aber ich rannte ihm hinterher. Er wühlte wutentbrannt im Keller herum und begann einen Koffer zu packen. Ich fragte: "Papa, was machst du da?" Er schrie: "Ich verschwinde." Ich fragte weinend und voller Angst: "Wann kommst du wieder?" Er schrie: "NIE WIEDER!" 

 

Ich kann euch diese Angst und diesen Schmerz nur schwer beschreiben, den ich während dieser Meditation empfand. Es fühlte sich an, als würde mich etwas Schwarzes, Dunkles durchfluten, einhüllen.

 

Es war so unerträglich, dass ich mich als Erwachsene neben das kleine Mädchen stellte und es in den Arm nahm. Ich umarmte mich also selbst und fühlte noch mehr Angst, noch mehr Schmerz und drückte mich so fest ich konnte an dieses Mädchen. Während der gesamten Meditation rannten mir die Tränen ununterbrochen in einem Strom übers Gesicht.

 

Ich öffnete die Augen und holte mich ins Jetzt zurück. Ich weinte noch eine halbe Stunde leise, dann begann ich mich mit Kreuzworträtseln abzulenken.

 

Die nächsten Tage meditierte ich in jeder freien Minute. Ich hatte den starken intuitiven Drang mich wieder in die Situation zurückzubringen.

 

Ich las in dem Buch, dass man dies so lange machen soll, bis man die Situation vollkommen durchleuchtet hat.

 

Durchlebe den Schmerz vollkommen und dann heile, dein inneres Kind, indem du es umarmst, ihm gut zu redest, dass alles gut werden wird. Heile es, in dem du Licht in die Dunkelheit bringst. 

 

Ich versuchte zu fühlen, was das kleine Mädchen in dem Moment gebraucht hätte, und dann gab ich es dem Mädchen. Ich empfinde immer noch Schmerz, wenn ich in die Situation gehe, aber es wird bei jedem Mal weniger. 

 

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Die Quelle meiner Angst fand ich im Zug.

 

Seit diesem Tag im Zug, spüre ich mich wieder. Ich kann wieder erahnen, wie es ist, das Leben wirklich zu fühlen. Mir ist seitdem klar, dass dies die Quelle meines Schmerzes, die Quelle meiner Angst ist. Leider ist mir auch klar, dass sie sehr viel Leid und neue Quellen des Schmerzes hervorgebracht hat.

 

Aber ich habe nun einen Weg gefunden mich davon zu befreien. In der nächsten Zeit wird es meine Aufgabe sein, mich auf die Suche nach weiteren Quellen meines Leidens zu machen und sie zu heilen. Die "Ur-Quelle", den Kern, habe ich allerdings gefunden. Und das ist ein riesiger, bedeutsamer Schritt in meiner Entwicklung. 

 

Ich werde sie finden, ich werde mich ihnen hingeben, ich werde sie erleuchten, ich werde vergeben und ich werde geheilt sein.

 

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Das Faszinierende ist, dass ich mich immer an diese Situation, in welcher mein Vater uns verließ, erinnern konnte. Aber ich hatte NIE etwas dazu empfunden. Deswegen hatte ich nie eine Verbindung zu meinem Leiden gesehen.

 

Zu groß war wohl die Mauer, die ich gebaut hatte, um mich zu schützen. Um diesen Schmerz nie wieder erfahren zu müssen.

 

Auch die Klischeehaftigkeit, hat mich davon abgehalten einen Zusammenhang zu sehen. Ich habe mir immer gesagt "Jede zweite Ehe scheitert. Soll jetzt jedes zweite Kind daher verkorkst sein?". Ich denke mittlerweile: Ja, wahrscheinlich.

 

Es sei denn, die Eltern hatten einen sehr mitfühlenden und schonenden Weg gefunden, sich zu trennen. Ohne Streit und mit vielen offenen Gesprächen mit ihren Kindern. Aber wie oft kommt das schon vor?

 

Im Nachhinein ergibt für mich alles so viel Sinn. In dem Moment als mein Vater uns verließ, hatte ich mir als Kind neue Glaubenssätze und Überzeugungen formuliert:

  • "Papa verlässt uns, weil ich vielleicht etwas falsch gemacht habe." 
  • "Papa verlässt uns, weil er mich nicht genug liebt."
  • "Ich bin nicht liebenswert genug, dass man bei mir bleibt."
  • "Wenn ich etwas falsch mache, werde ich vielleicht nicht mehr geliebt."
  • "Familien sind instabil, auch wenn du denkst, dass alles gut ist, können sie zerbrechen."
  • "Liebe und Glück sind instabil, auch wenn du denkst, dass alles gut ist, können sie zerbrechen."
  • "Die Menschen, die mir am allernächsten stehen, können mich jederzeit verlassen."
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Die Glaubenssätze, die wir uns als Kind formulieren, verfolgen uns unser ganzes Leben - wenn wir nichts dagegen tun.

 

Mein Leben lang versuchte ich diesen Zustand, den ich vor der Trennung meiner Eltern hatte, wieder zu erlangen.

 

Ich suchte nach Liebe und Geborgenheit im Außen, während ich gleichzeitig unterbewusst die Überzeugung hatte Liebe sei instabil.

 

In mir selber konnte ich sie nicht mehr finden, da ich der Überzeugung war, nicht liebenswert genug zu sein und daher verlassen wurde.

 

Das Gefühl nicht vollständig zu sein, nicht liebenswert genug zu sein, brachte eine große Leere in mir hervor, die ich mit allen möglichen Dingen zu stopfen versuchte.

 

Die Selbstliebe, die ich in mir selbst, durch meine Glaubenssätze, zerstört hatte, versuchte ich nun von jemand anderem wieder zu erlangen. Symbolischerweise bei einem Mann.

 

Versteht mich bitte nicht falsch, ich gebe meinem Vater keine Schuld daran. Niemand hat an irgendetwas Schuld. Es gibt keine Schuld. Schuld ist eine Erfindung des Menschen.

 

Es ist das Ego ins uns, welches immer trennt und versucht sich aus der eigenen Verantwortung zu ziehen. Es lässt Angst in uns entstehen, welche dazu dient uns zu schützen.

 

Unsere Angst hat immer die Aufgabe uns zu schützen. Sie weiß nicht, dass sie dadurch manchmal das Gegenteil erreicht und uns Leid zufügt. Als kleines Mädchen hatte ich nicht das Wissen, dass Dinge geschehen, ohne das irgendjemand Schuld daran trägt. 

 

Mein Vater war selber in völliger Unbewusstheit. Es war nicht seine Absicht mir das anzutun. Er hat mich geliebt und er hat mich nicht weniger geliebt, weil er sich von meiner Mutter trennte. Die Liebe ist in uns und kann niemals verschwinden. Sie kann sich verstecken oder von anderen Gefühlen überschattet sein, aber sie ist fest in uns verankert. Sie ist der Kern unseres Daseins.

 

Leider ist der Versuch die Liebe, die wir in uns selber nicht mehr finden können, bei jemand anderem zu suchen, zum Scheitern verurteilt.

 

Mein Vater hat selber in seinem Leben solche Erfahrungen gemacht, wie ich als dieses kleine Mädchen. Deswegen reagierte er so. Unbewusst, geführt von seinem Zorn und seinem eigenen Schmerz und seiner eigenen Angst. Davon bin ich überzeugt.

 

Heute weiß ich: Wenn schlimme Dinge geschehen, ist niemand daran Schuld. Ich akzeptiere die Situation und versuche das Beste, im gegenwärtigen Moment, daraus zu machen. Ich vertraue auf das Leben und das alles gut werden wird, solange ich positiv bleibe.

 

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Als Fazit möchte ich hier einige Lösungen für uns zusammenfassen:

  • Die Quellen deines Leidens findest du nur in der Stille. Nur dann, wenn du dich nicht ablenkst.
  • Wenn du in deiner Gegenwart nicht glücklich bist, dich einsam fühlst, obwohl du alles dafür getan hast (befriedigende Arbeit, körperliche Fitness, gesunde Ernährung usw.). Dann liegt die Quelle deines Leidens in deiner Vergangenheit.
  • Finde die Quelle deines Leidens. 
  • Durchlebe dein Leiden erneut in völliger Bewusstheit. Dadurch bringst du Licht in die Dunkelheit und der Schmerz löst sich auf. Das ist Hingabe.
  • Erkenne, dass es keine Schuld gibt.
  • Vergib dem Menschen, der dir Leid zugefügt hat. Deswegen musst du nicht gut heißen, was der Mensch getan hat. Vergebung bedeutet, Vergangenes los zu lassen, weil es nicht mehr geändert werden kann.
  • Vergib dir Selbst für die Glaubenssätze, Formulierungen und Überzeugungen, die du dir durch den Schmerz eingeredet und verinnerlicht hast.
  • Jegliche Liebe und jegliches Glück ist in dir Selbst. Die Suche danach im Außen ist immer vergebens. Erst wenn du sie in dir selbst wieder gefunden hast, kannst du sie mit anderen teilen. Kannst scheinen. Kannst strahlen.

Papa, Ich vergebe dir. Ich liebe dich.

 

Wake up, when you´re dreaming!

eure Jamila

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Kommentare: 9
  • #1

    LuckyPad (Donnerstag, 02 August 2018 22:28)

    Mega! Vielen Dank für diesen Blog. Bei soviel Inspiration fehlen mir echt die Worte...Beim Lesen überrannten mich so viele verschiedene Gefühle und ich genoß jede Sekunde! Ein wirklich schöner gegenwärtiger Moment!...

  • #2

    J to the u (Freitag, 03 August 2018 12:41)

    Schöner und sehr persönlicher Beitrag vom dir. ❤

  • #3

    HPL (Freitag, 03 August 2018 13:15)

    � beeindruckend

  • #4

    Isabella (Freitag, 03 August 2018 23:36)

    sehr anrührend...und schön das du uns deinen Weg aufzeigst

  • #5

    Beatrice (Sonntag, 05 August 2018 21:55)

    Danke für diesen Blogeintrag!
    :-) Liebe Grüße und alles Liebe!

  • #6

    BR (Montag, 06 August 2018 18:02)

    Viele wahre Worte, die nicht jeder beherzigt. Ich freue mich, dass du auf dem Weg bist.

  • #7

    Michael (Montag, 06 August 2018 21:32)

    Mir geht's auch so ...sehe parallen wie bei dir ...nur was ist der Mensch ohne liebe...eun Kind das ohne liebe aufwächst kommt um kann schlicht nicht entwickeln und das ist auch so man geht kaputt dabei ohne liebe tja bemerkenswert Frau ...tja auszutauschen wäre Top ...liee kommt von Innern und fallen zu lassen ja ...

  • #8

    T.B. (Montag, 20 August 2018 10:25)

    Ein super Text der vielen Menschen helfen wird, weiter so !!!

  • #9

    Crossfeller (Donnerstag, 01 November 2018 01:59)

    <3