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Dein Ego, der Verstand und du

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Zunächst möchte ich einmal darauf verweisen, dass die Ideen und Konzepte, die ich hier erläutere, nicht meiner Genialität entspringen. Sondern Formulierungen und Interpretationen des gebündelten Wissens sind, welches ich größtenteils aus Büchern gewonnen habe. Einen besonderen Leitfaden spielen in diesem Text die Lehren von Eckhart Tolle.

 

Diese Lehren sind so mächtig, so essentiell und bewusstseinsverändernd, dass es mir unglaublich schwer fällt, diesen Text anzufangen. Ich habe das Gefühl eine große Verantwortung zu tragen, dass dieser Text so gut wird, dass er einen Samen in dir sät. Denn diese Lehren sind so wichtig für dein Leben. 

Puh, Hauptsache kein Druck.

 

Ich versuche es mit einer Gliederung. Ich möchte dich einmal aufteilen:

 

1. Ego

2. Gedanken / Verstand

3. Du (Sein)

 

Bestimmt ist dir schon aufgefallen, dass es auf dieser Welt leider sehr viel Schlechtes gibt. Und falls nicht, bräuchtest du jetzt quasi einfach nur mal die Nachrichten anzumachen oder die Zeitung aufzuschlagen. Dafür verantwortlich ist das sogenannte EgoDas Ego besitzen ausschließlich die Menschen, deswegen sind es einzig und allein die Menschen auf diesem Planeten, die Leid verursachen. 

 

Das Ego lebt von Identifikation. Weil das Ego selber keine Form hat, strebt es danach sich mit etwas zu identifizieren. Es liebt alles was Form hat z.B. Dinge. Wenn du bestimmten Gegenständen viel Wert beimisst und es schmerzlich für dich ist, sie nicht zu bekommen oder sie zu verlieren, kannst du dir sicher sein, dass es dein Ego ist und nicht du selbst.

 

Nach Dingen zu streben, sie besitzen zu wollen, ist das Ego in seiner reinen Form, denn man kann nichts besitzen.

 

Dinge sind dazu da, um sie zu benutzen, nicht um sie zu lieben. 

 

Ja, und dazu gehören auch Kunstwerke. Diese sind Gebilde unserer Schöpferkraft und haben den Nutzen dich durch ihre Schönheit zu inspirieren. Das Ego hingegen liebt Dinge. 

 

"Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden geschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet, ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden." Dalai Lama

 

Das Ego identifiziert sich allerdings nicht nur über Dinge, wie Gebrauchsgegenstände, sondern über alles, was Form hat. Es möchte etwas sein. Ein Mönch, der im Zölibat lebt und keine Dinge besitzt, kann also trotzdem zutiefst vom Ego zerfressen sein.

 

Wie? Indem er sich z.B. darüber identifiziert, dass er nichts besitzt und somit anderen Menschen überlegen ist. Das Ego definiert ihn darüber, dass er etwas Besonderes ist. Darüber, dass er die Stärke hat nichts zu besitzen und in einfachen Verhältnissen zu leben. Das Ego benutzt also seine Gedankenstrukturen, um sich darüber zu definieren. Das Überlegenheitsgefühl ist eine der Hauptgedankenstrukturen, an denen sich das Ego nährt:

 

"Ich besitze diesen Ring, den du nicht besitzt." Ich kann besser Fußball spielen, als du." "Ich bin gebildeter, als du." 

 

Dieses Überlegenheitsgefühl entsteht durch Abgrenzung. Das Ego vergleicht sich mit anderen und sucht etwas, worin es besser ist, als andere.

 

Ganz typisch für das Ego ist es auch Recht haben zu wollen. Ganz klar gibt es bestimmte Tatsachen, wie z.B. dass die Erde rund ist und keine Scheibe.

 

Aber warum ist es dir so wichtig, auf dein Recht zu pochen, wenn du mit jemandem diskutierst?

Warum ist es dir so wichtig die Person davon zu überzeugen, dass du Recht hast? 

Glaubst du nicht der Erde ist es vollkommen scheiß egal, ob man sie als rund oder als Scheibe bezeichnet?!

 

Wenn du Recht hast, bist du der anderen Person überlegen. Du bist dann etwas Besseres, weil du es besser weißt. Du bist es nicht, der auf sein Recht pocht, es ist dein Ego. 

 

Manchmal versteckt sich das Ego in ganz kleinen Situationen. Kennst du diesen kurzen Moment der Freude oder Aufregung, bevor du jemandem eine Neuigkeit überbringst, die der Andere noch nicht hat? Das ist das Ego, dass sich daran erfreut, eine Information zu besitzen, die der andere nicht hat. 

 

"Ich habe eine Information, die du nicht hast." 

 

Selbst hier findet das Ego etwas worüber es sich definieren kann. Deswegen tratschen die Leute so unheimlich gerne!

 

Das Ego kann sich auch hervorragend über Rollen definieren: Über das Chef oder Angestellter sein (also über deinen beruflichen Status), aber z.B auch über das Elternsein.

 

Versteh mich nicht falsch, es ist das Eine, eine Rolle einnehmen zu müssen, weil es einen bestimmten Zweck erfüllt, wie das leiten einer Firma oder das Großziehen deiner Kinder. Es ist aber etwas anderes sich darüber zu definieren. Hier kommt das Ego ins Spiel. 

  • Verschafft es dir ein angenehmes Gefühl, dass du mehr verdienst, als deine Mitarbeiter oder dass du mehr zu sagen hast, als sie?
  • Verschafft es dir ein angenehmes Gefühl, dass dein Kind schon weiter ist als andere in seinem Alter?
  • Forderst du das Kind wirklich nur seinetwillen oder vielleicht, weil es dir selber ein gutes Gefühl gibt?
  • Erwischst du dich dabei, dass du deinem Kind vor allem die Dinge aufdrängst/beibringst, die du selber gerne gekonnt/gemacht hättest? Das ist der Klassiker, wo sich Eltern über ihr Kind definieren und somit auch über das Vater- und Muttersein. 

Um es zusammenzufassen, dein Ego bringt dich dazu, dich mit etwas zu identifizieren, was du nicht bist: Deine Erfahrungen aus der Vergangenheit, dein Besitz, dein gesellschaftlicher Status, dein Kontostand, dein Ruf, deine Talente, deine Fähigkeiten, deine Beziehungen zu anderen Menschen...

 

Dies treibt dich in eine Abhängigkeit, die dich unglücklich macht.

 

"Ich kann nur glücklich sein, wenn ich das besitze, wenn dieses passiert oder wenn ich mit diesem Menschen zusammen bin."

 

Das Ego ist das Gefährlichste, was es auf dieser Welt gibt. Durch sein Bestreben nach Identifikation, muss es trennen und abgrenzen. Es erzeugt ALLE negativen Gefühle und Begierden: Hass, Groll, Ärger, Unzufriedenheit, Gereiztheit, Neid, Gier, Eifersucht, Angst, Langeweile, Ungeduld und dieses "Leere" Gefühl.

 

Alles Leid und alles Unheil dieser Welt, wird von Menschen erzeugt, die von ihrem Ego beherrscht werden. Sie handeln also nicht selbst, sondern es ist ihr außer Kontrolle geratenes Ego, was sie dazu bringt im Interesse des Egos zu handeln. 

 

Das Ego ist uns angeboren. Jesus nannte es die Sünde oder Erbsünde. Buddha nannte es Atma.

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Wie schafft es das Ego, die Menschen dazu zu bringen? Ganz einfach. Es bedient sich deiner Gedanken. Ja, diese Stimme da oben in deinem Kopf. Das bist nicht du! 

 

Für mich eine erschreckende und unendlich wertvolle Erkenntnis. Ich war, wie die meisten Menschen, zu 100% mit meinen Gedanken identifiziert.

 

Ich bin in meinem ganzen Leben nicht einmal auf die Idee gekommen, dass ich eventuell nicht diese Stimme in meinem Kopf bin. Dem berühmten Philosoph Descartes ist der selbe Fehler unterlaufen: 

 

"Ich denke, also bin ich."

 

Dieses berühmte Zitat ist ein Paradebeispiel für die Unwissenheit der Menschen, unabhängig von ihrer Intelligenz. 

 

Gerade, wenn du nicht denkst, dann bist du. Natürlich bist du auch, wenn du denkst. Aber dein Sein ist in diesem Moment von deinen Gedanken, die vermutlich gerade deinem Ego dienen, überschattet.

 

Wenn du deine Gedanken wärst, zu wem sprechen denn dann deine Gedanken?

 

Deine Gedanken sind zunächst einmal nichts Schlimmes. Ich bin der Meinung wir haben nicht 5 sondern 6 Sinne: Hören, riechen, schmecken, sehen, fühlen (tasten) und denken.

 

So wie alle anderen Sinne, erfüllt das Denken grundsätzlich einen praktikablen Zweck. Solange deine Gedanken einen praktischen Sinn haben, wie z.B. die Planung deines nächsten Projektes, sind sie sinnvoll und nützlich. Und eben nichts weiter als Gedanken - neutral.

 

Die meiste Zeit über, werden unsere Gedanken aber vom Ego missbraucht. 

 

"Oh die oder der sieht aber gut aus. So würde ich auch gerne aussehen.Hier ist ganz klar das schmutzige Ego zu erkennen.

  • Es vergleicht und bewertet. ("So sieht jemand aus, der gut aussieht. Ich sehe anders aus.")
  • Es erweckt Begierde. ("So würde ich auch gerne aussehen.")
  • Es grenzt ab. ("Ich sehe anders aus als diese Person.")
  • Es erschafft Abhängigkeit, die dich unglücklich macht. ("Wenn ich so aussehe, dann bin ich glücklich oder glücklicher.")
  • Es erzeugt negative Gefühle. (Neid, Eifersucht, Unzufriedenheit, evtl sogar Hass.)
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Ego - erkennen und überwinden

 

Wenn du aber weder dein Ego noch deine Gedanken bist, wer bist du dann? Du bist das Sein.

Du bist.

 

Das pure Sein, kann nichts anderes als Lebensfreude zu empfinden, Mitgefühl zu haben und zu lieben. Es ist schöpferisch, es ist leicht, es ist das Licht, es ist formlos, es ist kraftvoll, es ist bewusst.

 

Es lebt immer nur im jetzt, denn das Jetzt ist das Einzige was existiert. Zukunft und Vergangenheit sind Erfindungen deines Ego-Verstandes.

 

Es ist das Göttliche in dir, es ist die Wahrheit, die einzige Wahrheit.

 

"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben." Jesus. 

 

Damit meint Jesus natürlich nicht sich selbst als Individuum, sondern die Wesensidentität aller Menschen, also das Sein. Das "Ich bin" eines jeden von uns.

 

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All die Götter, all die Himmel, all die Höllen, sind in dir.

 

Das Problem ist nur, dass sich das total super-duper anhört, nur leider schwer zu verstehen ist. Um genau zu sein, kann man es nicht verstehen, denn nur dein Verstand, dein Ego will etwas verstehen, das Sein kann nur sein. Was können wir also tun? 

 

Der Schlüssel ist Bewusstsein. Du bist das Bewusstsein und das Ego ist das Unbewusstsein.

 

Das Ego kann nur in Unbewusstheit existieren. In dem Moment, wo du bewusst bist, kann das Ego nicht mehr existieren. Deswegen hasst das Ego Bewusstsein und versucht in all seiner Gerissenheit dich dazu zu bringen wieder unbewusst zu sein. 

 

Immer wenn du Widerstand in dir spürst, egal in welcher Form, ist gerade das Ego am Werk und versucht dich zu beherrschen. Es ist nie eine Situation oder ein Ereignis, was in dir Widerstand erzeugt, sondern deine Gedanken darüber.

 

Bewusst zu sein lässt sich üben, z.B. durch beobachten. Beobachte deine Gedanken und deine Gefühle, die durch deine Gedanken erzeugt werden. In dem Moment, wo du dir bewusst wirst, dass dein Ego am Werk ist, lösen sich deine negativen Gefühle und Gedanken auf. 

 

Sehr wichtig dabei ist, zu beobachten ohne zu bewerten oder zu urteilen. Ärgere dich nicht über deine Gedanken, auch wenn sie vielleicht manchmal erschreckend sind. Sie sind nicht du, sondern dienen deinem Ego. Sobald du dich über sie ärgerst, entsteht Widerstand, also ein innerer Konflikt und somit neuer Schmerz. 

 

"Was immer du bekämpfst, das stärkst du und wogegen du dich sträubst, das hat Bestand." Eckhart Tolle

 

In Bewusstheit zu sein, deine Gedanken zu beobachten ohne sie zu bewerten, ist der Kern der Meditation. Da sich Gedanken und Gefühle auflösen, sobald du dich ihrer bewusst wirst - bzw. du in der Lage bist, sie gehen zu lassen - werden die Zeiträume, in denen du nicht denkst, also in denen du bist, immer länger. Es ist reine Übungssache.

 

Wenn du dir, wie ich, eine bessere Welt wünschst. Ein glückliches und erfülltes Leben ohne Leid. Ein Leben in Friede und voller Freude. Dann sollte es dein höchstes Ziel, deine Lebensaufgabe werden, im Bewusstsein zu leben. 

 

Kannst du dir ein solches Leben vorstellen? Ich auch nicht. 

 

Spirituelle Praxis wird dir dabei helfen. Bücher, Blogs, Webseiten, Podcasts. Auch das befassen mit dem Buddhismus kann dir helfen, denn im Kern ist der Buddhismus keine Religion sondern spirituelle Lehren.

 

Ich selbst befinde mich in einer sehr starken Entwicklung, in einem Prozess.Ich bemerke, wie ich heile, wie sich alter Schmerz auflöst und dass ich ein komplett anderer Mensch bin, als früher.

 

Eigentlich bin ich natürlich dieselbe, aber mein Ich wird nicht mehr so stark von meinem Ego überschattet und beschmutzt. 

 

Über meine persönlichen Erfahrungen, berichte ich gerne bald in einem weiteren Text. Ich bin sicher du wirst dich in vielerlei Hinsicht wiedererkennen. 

 

Es ist Zeit für einen Wandel, Zeit für Veränderung.

 

Lasst uns endlich leben, uns endlich die sein, die wir wirklich sind statt Rollen zu spielen. Lasst uns gemeinsam lernen wirklich zu leben, wirklich zu lieben.

 

Kennst du das Gefühl, es ist nie genug, was du tust? Du bist nicht genug? Es ist dein Ego! Denn das Ego ist unersättlich. Es wird NIEMALS genug haben. Solange du dich über etwas anderes definierst, als dich selbst, wirst du niemals ein vollkommen erfülltes Leben führen können.

 

Ich habe den Titel bewusst gewählt: "Dein Ego, der Verstand und du."Lasst uns versuchen, einen neuen Titel für unser Leben zu erschaffen. Zunächst einmal sollten wir an der Reihenfolge arbeiten: "Du, der Verstand und dein Ego."

 

Beginne jetzt damit achtsamer zu werden und dein Leben bewusster zu leben, weil du es verdienst, weil du es wert bist. Je bewusster du bist, desto weniger wird dein Sein, von deinem Ego verschmutzt.

 

Du wirst die Veränderung schnell bemerken und erkennen, dass du seltener das Opfer von Situationen und Ereignissen bist, weil du weniger das Opfer deiner Gedanken sein wirst. Erlange die Kontrolle über dich und somit über dein Leben zurück, indem du deinem Ego weniger Raum in deinem Leben zugestehst. 

 

Jeder Mensch ist unterschiedlich stark von seinem Ego zerfressen. Bei manchen Menschen ist es ganz offensichtlich, dass ihr Ego sie beherrscht. Wie stark hat dein Ego die Kontrolle über dich? 

 

 

Wake up, when you´re dreaming!

 

eure Jamila

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Kommentare: 6
  • #1

    Maria (Freitag, 13 Juli 2018 15:22)

    Ja so Einiges erkenne ich bei mir wieder. �

  • #2

    Karina M. (Freitag, 03 August 2018 23:45)

    könnte viel dran sein, muss ich drüber nachdenken. Danke für die Inspiration.

  • #3

    ralf (Sonntag, 07 Oktober 2018 21:46)

    alles quatsch oder, um eine pokeranalogie zu verwenden, fisch-denken

    die beschreibung eines menschen mittels der kategorien "ego, verstand und du" entbehrt jeder wissenschaftlich fundierten grundlage, ist völlig willkürlich, und gelinde gesagt blödsinn. alle darauf aufbauenden folgerungen mögen folgerichtig sein, wahrscheinlich aber sind sie nicht falsifizierbar, und repräsentieren daher nicht mehr als ein glaubenssystem.

    wo ist die berücksichtigung von gefühlen, affekten, körperlichen aspekten. inwiefern werden psychologische, psychiatrische und neurowissenschaftliche erkenntnise berücksichtigt?

  • #4

    ralf (Sonntag, 07 Oktober 2018 23:25)

    kurzer einblick in ein diagnostik- und therapieplanungssystem aus der klinischen Praxis, die komplexität des gebiets wird ansatzweise sichtbar

    https://cip-medien.com/wp-content/uploads/03.Dahlbender.pdf

  • #5

    Seelensellerie (Montag, 08 Oktober 2018 13:40)

    Lieber Ralf, danke für deine Kritik. Ich behandle dieses Thema aus einer modernen spirituellen Sichtweise. Wenn du diese Thematik aus einer anderen Sichtweise, z.B. einer neurowissenschaftlichen Sichtweise behandelt haben möchtest, musst du leider einen anderen Blog/Bücher/Magazine lesen. Lg

  • #6

    Sarah (Montag, 11 März 2019 08:20)

    Sehr schön geschrieben!